Hallo,

nach langer Zeit wieder mal ein Beitrag.

In den letzten tagen wurde vermeldet, dass eine Untersuchung in China ergeben hat, dass weite Teile der landwirtschaftlichen Fläche in China derart verseucht ist, dass sie landwirtschaftlich eigentlich nicht mehr nutzbar ist. Diese Studie wurde lange geheim gehalten und nun auf Druck der Öffentlichkeit bestätigt wurde. Die chinesische Regierung veröffentlicht allerdings keine Details, die enorm wichtig wären. Welche Flächen womit belastet sind bleibt geheim. Das hat verschieden Gründe. Man möchte sicher vermeiden, dass aus bestimmten Regionen des Landes keine Lebensmittel mehr gekauft werden, soweit man den Ursprungsort überhaupt erkennen kann und man möchte vermeiden, dass aus diesen Gebieten unkontrollierte Abwanderungen gibt. Wie man allerdings die Lebensmittelsicherheit gewährleisten will, wenn das Vertrauen in die Lebensmittel komplett zerstört ist, bleibt offen. Das Vertrauen in die Regierung ist ohnehin nicht sehr groß.

Man muss dabei aber immer berücksichtigen, wer die kritische Öffentlichkeit stellt, dass heißt, wer Zugang zu Informationen hat, die nicht von der Regierung oder Partei stammen. Die ländliche Bevölkerung, die besonders von der Problematik versuchter Böden betroffen ist, hat diesen Zugang eher nicht. Viele Umweltschäden sind in China aber offensichtlich für jeden tagtäglich zu sehen. Die smogbelastete Luft in den großen Städten ist nur allzu deutlich bekannt, auch wenn nicht alle wissen, dass die Luft teilweise so schlecht ist, dass von akuten Gesundheitsgefährdungen auszugehen ist. Ich hörte sogar, dass ausländische Unternehmen sogar schon Probleme haben Mitarbeiter im höheren Management dazu zu bewegen eine Zeit nach China zu gehen, da diese nicht wollen, dass ihre Kinder einer solchen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt werden. Die Flüsse sind allesamt stark verschmutzt und tot. Industrieabwässer gehen ungefiltert direkt in die Flüsse und wir wissen aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie lange es dauert, die Gewässer wieder lebenswert zu bekommen (Rhein, Elbe etc.). Bedauerlich ist allerdings, dass in der deutschen Presse darüber allenfalls mal berichtet wird, wenn Smog in beijing die Sicht behindert oder ein paar tote Schweine auf Shanghai zu treiben.

Dass ein Umdenken notwendig ist, hat auch die chinesische Regierung entdeckt, ich bezweifele aber, dass es gelingt in absehbarer Zeit die Schwerindustrie umweltfreundlicher zu gestalten, da der Primat der Wirtschaft in China über das Umweltbewußtsein siegen wird. Auflagen und Gesetze gibt gibt es auch jetzt schon genügend, aber ohne Kontrollen und Strafen bleiben davon nur Willensbekundungen. Das Bewußtsein, dass  Umweltschutz kein Luxus ist, sondern lebensnotwendig ist in China bei weiten Teilen der Bevölkerung nicht vorhanden. Mich hat dort vieles an Deutschland in den frühen 70er jahren erinnert, als Umweltschutz etwas für Hippies und esoterische Spinner war und man die leere Coladose einfach in den nächsten Straßengraben geworfen hat. Die Luft im Ruhrgebiet war gelblich und zum Schneiden dick und es hat ziemlich lange gedauert, bis ein Wandel stattgefunden hat. Hierzu bedurfte es aber einer breiten Diskussion in der Bevölkerung. Demonstrationen für eine bessere Umwelt waren nötig, um erstmal ein Problembewußtsein zu schaffen und letztlich bedurfte es auch der Gründung einer Partei, um die Umwelt vor der Zerstörung durch rein wirtschaftliche Interessen einiger weniger zu schützen. Die damalige erste Rot-Grüne Koalition in Hessen hat sich durch Drohungen der Industrie abzuwandern nicht abschrecken lassen – heute undenkbar! Aber ich schweife ab. In China wird dieser gesellschaftliche Diskurs nur schwer möglich sein, da die Pressefreiheit eher weiter eingeschränkt wird als ermöglicht.

Herr Gabriel hat ja stolz verkündet bei Li Keqiang die Menschenrechte angesprochen zu haben und er hätte die erstaunliche Antwort erhalten, darüber können an ruhig reden. Den Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping durfte Gabriel aber nicht treffen, da dieser durch Polizisten daran gehindert wurde sein Haus zu verlassen. Herr Gabriel, reden dürfen Sie über Menschenrechte schon, aber mit wem und mit welchem Ziel? Menschenrechte sind nicht verhandelbar und werden bei seiner Reise als Handelsvertreter der deutschen  Industrie keine Rolle spielen. Herr Gabriel darf seinen Menschenrechts-Statement abgeben und dann hat er bitte bei Seite zu treten, wenn die Verträge auf den Tisch kommen.

Die Korruptionsbekämpfung in China ist auch so ein Thema, aber dazu vielleicht ein andermal.

Advertisements