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Ich möchte an dieser Stelle gleich mal vorwegschicken, dass cih in diesem Blog natürlich immer nur meine Meinung wiedergebe und sicher auch Fehler mache, eventuell auch Dinge schreibe, die gar nicht so sind, wie von mir beschrieben. So ist das halt. Ich bemühe mich aber, keinen Unsinn zu schreiben.
So, nun aber zum Thema:
Anfang des Monats war wieder die große Prüfung zur Hochschulzugangsberechtigung in China (Gaokao), die ja gerne mit unserem Abitur verglichen wird, auch wenn es da erhebliche Unterschiede gibt. Zunächst einmal kann man bei uns das Abitur nicht ein Jahr später nochmal machen, wenn man mit seiner Note nicht zufrieden war und vor allem haben wir bei uns kein bundesweites Zentralabitur, ob man das nun gut findet oder nicht. Dieses Jahr haben am Gaokao etwas über 9 Millionen junge hoffnungsvolle Chinesen teilgenommen.
In China entscheidet der Gaokao über Wohl und Wehe, denn hier entscheidet sich, an welche Universität man gehen kann und das ist in China ebenfalls viel entscheidender als bei uns. Hier sucht man sich ein Fach aus und schaut, an welcher Universität man das gut studieren kann oder man entscheidet sich für eine Stadt, egal ob die dortige Uni gut im Lieblingsfach ist oder nicht. Auch die hochgepriesene und vor allem hochdotierte Initiative, aus der die deutschen Elieunis hervorgegangen sind hat wenig Aussagekraft, ob das gewünschte Studium dort auch besser ist als andernorts. Ob die Althistoriker der LMU wirklich davon profitieren, dass die Uni zu den Eliteunis gehört, wage ich zu bezweifeln.
Dagegen ist das Ranking der chinesischen Unis für die Studierenden enorm wichtig, da später gut dotierte Stellen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik nur an die Absolventen der Topuniversitäten vergeben werden.

In den 90er Jahren gab es vor allem zwei Initiativen der chinesischen Regierung, die enormen Einfluss auf die Qualität der Hochschulen hatten und das Ranking beinflussen. Zum einen das Projekt 211, zu dem knapp über 100 Hochschulen von ingesamt knapp über 1700 gehören und dann das Projekt 985, in dem 39 Hochschulen gefördert werden. Mit diesen Projekten sind natürlich auch erhebliche finanzielle Mittel verbunden.

Die Nanjing University, von der schon einige unserer Trainees im China-Traineeprogramm kamen gehört dazu und belegt im Ranking der chinesischen Universitäten Platz 6, die Tongji in Shanghai Platz 23, aber das nur am Rande. Rankings laden natürlich auch immer dazu ein durch Mogeleien den Platz zu verbessern, so war der Leiter des staatlichen Ranking-Programms, Herr Wu Shulian, 2009 in einen Skandal verwickelt, bei dem es um Bestechung durch Universitäten ging, die damit Ihren Rang in der Liste verbessern wollten, was zum teil auch wohl gelungen ist.

Da der Gaokao und somit der Zugang zur Universität von so entscheidender Bedeutung  für den weiteren Lebensweg ist, gibt es auch vermehrt teure Privatschulen, die Kinder reicher Eltern auf den richtigen Karriereweg bringen sollen. Die Schule ist überhaupt schon wichtig für den späteren Lebensweg und um auf die richtige Schule zu kommen, ist es wichtig, den richtigen Kindergarten besucht zu haben und um einem Platz in diesem zu bekommen…..

Der Stress für die chinesische, zum größten Teil geschwisterlose Jugend beginnt also schon sehr früh und hat mit dem Gaokao den ultimativen Höhepunkt erreicht. In China besteht Schulpflicht und der Besuch der Schule ist bis einschließlich Sekundarstufe 1, also bis zum Ende des 10. Schuljahres kostenlos, dannach werden pro Jahr umgerechnet ca. 300 € fällig. Hier entsteht natürlich eine soziale Ungerechtigkeit, auch wenn ärmere Familien mithilfe der Verwandtschaft alles daran setzen, den Hochschulzugang für den Nachwuchs zu ermöglichen, wodurch deser wiederum in hohem Erfolgsdruck steht. Häufig zerbrechen die Träume des sozialen Aufstiegs aber, wenn der Studierende aus der Provinz trotz recht gutem Gaokao an einer Provinzuni landet und sich später als Absolvent in das Heer der arbeitslosen Akademiker einreihen muss.

Das Problem der hohen Akademikerarbeitslosigkeit gibt es also nicht nur in einigen Ländern der EU, sondern auch in China und welcher sozialer Sprengstoff diesem Problem anhaftet, sehen wir in Griechenland uns Spanien und dessen ist sich auch die chinesische Regierung bewusst, zumal einige der letzten Arbeitskämpfe in China in nicht unerheblichem Maße von diesen arebitslosen Akademikern getragen wurden. Dazu ein andermal mehr.

Die soziale Ungerechtigkeit ist allerdings bei uns in Deutschland viel größer, wie die 20. Sozialerhebung der deutschen Studentenwerke zeigt. Die Ergebnisse sind dieser Tage vorgestellt worden. 77% der Kinder aus Akademikerfamilein nehmen laut Erhebung ein Studium auf aber nur 23% der Kinder aus Arbeiterfamilien. Die Studie gibt es unter:

http://www.studentenwerke.de/pdf/20-SE-Bericht.pdf

 

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