Dieser Tage ist in der TAZ ein in vieler Hinsicht bemerkenswerter Artikel von Felix Lee über die qualvolle Entnahme von Gallenflüssigkeit bei Kragenbären in China erschienen (TAZ vom 29.05.2013).
Bemerkenswert ist zum einen, dass man ohne die TAZ davon nichts erfahren würde und zum anderen, dass sich gegen die Praxis dieser Tierquälerei zu angeblich medizinischen Zwecken in China Protest regt. Bei diesem Protest spielen vor allem soziale Netzwerke eine führende Rolle und diese könnten über kurz oder lang zu einem Problem für die chinesische Führung werden.
Aber zunächst kurz, um was es eigentlich geht.
Die Firma Guizhentang Pharmaceutical stellt Pillen aus der Gallenflüssigkeit von Kragenbären her, die „angeblich Fieber senken, Augenkrankheiten heilen und gegen die Folgen von exessivem Alkoholgenuss wirken“ (Felix Lee). Nun ist allgemein bekannt, dass im Namen der traditionellen chinesischen Medizin im großen Umfang gröbste Tierquälerei stattfindet. Die Bären werden auch noch auf „Farmen“ in engen Käfigen gehalten und dort über Jahre fortdauernd gequält. Guizhentang Pharmaceutical wollte nun den Bestand der Bären von 500 auf 1000 aufstocken, was nun der Anlass zum Protest war, da das ganze wohl durch eine Börsennachricht (!) bekannt geworden ist.
Hier stellen sich mir nun Fragen, die der Artikel von Felix Lee nicht beantwortet, wahrscheinlich auch nicht beantworten kann.
Wie ist es möglich, dass eine Pharmafirma Pillen auf den Markt bringen kann, deren Wirkung nicht nachgewiesen werden kann? Zugegeben ist das ein Problem, das es nicht nur in China gibt, auch hier zu Lande gibt es solche Produkte. Dass aber diese Pillen nur durch fortgesetzte Tierquälerei entstehen können und das nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern in der laufenden Produktion ist ein unglaublicher Skandal.
Wieso tut sich die chinesische Regierung so schwer damit, Gestze zu erlassen, die diese Praxis verhindern könnten. Mir scheint das Erlassen von Gestzen in kaum einem anderen Land leichter zu sein. Es liegt wahrscheinlich daran, dass wirtschaftlicher Erfolg auch einzelner Firmen höher geschätzt wird als ein Mindestmass an Tierschutz. Felix Lee erwähnt natürlich völlig zu Recht, dass Tierschutz in China keinen hohen Stellenwert hat. Hier ein Beispielfoto von angebundenen Affen, mit denen sich Touristen fotografieren lassen können, aufgenommen zwischen Guilin und Yangshuo:
IMAG0063
Diese Art der Tierquälerei findet man in China häufig, ist aber im Vergleich mit der Situation der Kragenbären harmlos.

Aber zurück zum Protest gegen die Tierquälerei durch Guizhentang Pharmaceutical. Der Protest findet in verschiedenen Formen statt. Zum einen wird offen vor „Apotheken“ demonstriert, was immer dann toleriert zu werden scheint, wenn es nicht viel Aufmerksamkeit erregt und das Staatssystem nicht in Frage gestellt wird, zum anderen findet der Protest durch Unterschriftenlisten statt und vor allem auf Weibo, dem chinesischen Pendant zu Twitter mit ca. 500 Millionen Nutzern!
Dass solcher Protest in China mithilfe von Blogs und sozialen Netzwerken erfolgreich sein kann, zeigt das Beispiel der Absetzung des ranghohen Politikers Liu Tienan im Mai 2013. Diesen Fall von Korruption hatte der Journalist Luo Changping nicht in seinem Wirtschaftsjournal veröffentlicht, sondern in seinem Blog. Wahrscheinlich im sein Journal durch Nichtbeteiligung zu schützen.

Diese Art von Protesten in Blogs und sozialen Netzwerken gibt Anlass zur Hoffnung und kann auch erfolgreich sein. ich hoffe, dass auch die Kragenbären davon profitieren können.

Advertisements